Grausame Bräuche

Nun bin ich schon über zehn Jahre in der Schweiz und habe dennoch erst kürzlich von einem Surseer Brauch erfahren, der jedes Jahr am 11.11. abgehalten wird: Die Gansabhauet. Wie der Name schon erahnen lässt, geht es darum, zwei Gänsen mit einem Säbel den Kopf abzuschlagen.

Blind, natürlich und gehüllt in einen weinroten Umhang mit einer Sonnenmaske auf dem Kopf. Soll ja auch spektakulär aussehen. Wer es schafft, den Kopf abzuhauen, bekommt die Gans.

Ich habe einen Freund aus Sursee, der mir gegenüber kein Sterbenswörtchen über diesen Brauch erwähnt hat. Wieso wohl? Erfahren habe ich es über eine andere Arbeitskollegin, eine Aargauerin, die es wiederum von unserem neuen Kollegen aus Sursee erzählt bekommen hatte. Trotz dass sie eine gebürtige Schweizerin ist, war die Kunde von diesem blutigen Brauch vorher noch nie zu ihr gedrungen. Hängen die Leute von Sursee das aus gutem Grund nicht an die grosse Glocke?

Meine Kollegin war jedenfalls leicht empört über diese Gansabhauet. Nur wenige Minuten später kamen wir anlässlich einer zu zahlenden Rechnung gleich auf den nächsten grausamen Brauch zu sprechen: Das Güggeliessen, welches unser Geschäft regelmässig veranstaltet. Auch dieses Jahr mussten dafür wieder siebzig Hühner ihr Leben lassen. Keine Empörung. Von niemandem.

Güggeliessen. Klingt fast noch niedlich, jedenfalls nicht nach Sterben. An dem Tag floh ich ins Homeoffice und dachte vergeblich darüber nach, warum der Tod von zwei Gänsen Empörung auslöst, der von siebzig Hühnern jedoch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert